Im ersten Teil der Serie haben wir das Gefühl der Hypoxie (Sauerstoffmangel im Blut) ganz allgemein und für Höhen bis 3.000 Meter besprochen. Auch im zweiten Teil wollen wir der Frage nachgehen, wie sich ein Training in der Höhe anfühlt.

Der zweite Teil bietet nun eine Aussicht auf das Gefühl der Hypoxie in Höhen bis 6.000 Meter.

Höhen über 3.000 Metern

Sobald die Höhe über 3.000 Metern (weniger als 14 % Sauerstoff) hinaussteigt, wird die Belastung für die Kondition im Vergleich zur Muskulatur immer stärker. Wer trainiert ist, wird nur noch kurze Zeit schnell laufen oder rennen können, bevor die Muskulatur übersäuert ist.

Die Hypoxie wirkt sofort auf den Körper, dieser braucht aber eine kurze Zeit, bis er die Signale an das Gehirn weitergeleitet hat. Einfach erklärt bedeutet das Folgendes: Wenn man losläuft, fühlt man sich frisch und fit, aber schon nach fünf bis zehn Minuten hat man das Gefühl, schon einen ganzen Marathon gelaufen zu sein.

Das Gefühl entsteht durch die Übersäuerung der Muskulatur, was auf diesen Höhen extrem schnell passiert. Die Hypoxie zwingt die Muskeln, Zucker anaerob, das heißt ohne Sauerstoff, zu verbrennen. Es entsteht ein völlig neues Gefühl mit einer Mischung aus, “Ich kann nicht mehr schnell laufen”, aber auch “Ich fühle mich überhaupt nicht angestrengt”.

Hier ist es nun wichtig, die Geschwindigkeit und Intensität so zu reduzieren, dass weiter trainiert werden kann.

Zwei Frauen laufen im Höhentrainingsraum unter Sauerstoffmangel (Hypoxie) auf zwei Laufbändern

Höhen über 4.000 Meter

Wenn die Höhe auf 4.000 Meter (12 % Sauerstoff) steigt, ist die Hypoxie bereits beim bloßen Stehen im Raum zu spüren. Sofort bemerkt man die beschleunigte Atmung und den schnelleren Herzschlag. Nach kurzer Zeit kann sich auch ein leichter Druck im Kopf einstellen.

Bei längerem Aufenthalt in dieser Höhe fällt einem auf, dass koordinative und gedankliche Prozesse langsamer als sonst ablaufen. Meist passiert das eher unterbewusst, wenn man beispielsweise etwas sagen möchte, aber den Faden verloren hat.

Höhen von 5.000 Metern und mehr

Auf diesen Höhen sollte nicht mehr schnell gelaufen werden, da die Übersäuerung sofort einsetzt. Hier ist nur noch langsames Laufen und Wandern möglich.

Schon beim Betreten des Raumes ist die Höhe zu spüren und innerhalb kurzer Zeit sind die individuellen Symptome der AMS (Acute Mountain Sickness) zu spüren. Neben dem weiteren Verlangsamen der koordinativen und gedanklichen Prozesse wird der Druck im Kopf größer und kann als pochendes oder dumpfes Gefühl wahrgenommen werden.

Wenn man nicht gut vorbereitet ist oder sehr empfindlich auf die Höhe reagiert, kann man auch ein starkes Herzrasen und Übelkeit empfinden. Die Hypoxie ist bei den meisten Personen auch im Gesicht durch eine leichte Blaufärbung der Lippen und Wangen zu erkennen.

Da die AMS individuell verschieden wirkt, kann jeder im Höhentrainingsraum selbst simulieren, wie das Gefühl auf der Trekking-Tour sein wird. Diese Symptome werden mehr oder weniger stark in der Höhe immer auftreten. Durch eine gute Voranpassung kann man sich an diese jedoch gewöhnen, sodass man sie auf der späteren Tour nicht mehr wahrnimmt und sich nicht von ihnen aus der Ruhe bringen lässt.

Die Erfahrungen, die man in der Simulation mit der AMS gewinnt, helfen später dabei zu entscheiden, ob man weiter aufsteigen möchte oder lieber einen Tag zur Akklimatisation nutzt – eine Entscheidung, die helfen kann, einer schweren Höhenkrankheit zu entgehen.

Höhen über 10.000 Meter

Aus Neugierde haben wir den Sauerstoffgehalt in unserem Höhentrainingsraum so weit heruntergefahren wie nur möglich. Dabei haben wir eine Höhe von über 10.000 Metern erreicht. Um das Gefühl dieser extremen Hypoxie zu testen, sind einige Mutige mit einer Sauerstoffflasche in den Raum gegangen.

Das Gefühl ist unerwartet, da man meint, man müsse den Sauerstoffmangel sofort spüren. Dieses tritt aber erst nach etwa 30 Sekunden ein und zeigt sich dadurch, dass die Beine sehr schwer werden und einem langsam schwarz vor Augen wird. Es ist, als würde man langsam ohnmächtig werden.

Ein paar Züge an der Sauerstoffflasche helfen sofort. Trotzdem sollte man sich nicht lange in dieser Höhe aufhalten.

Das Gefühl der Hypoxie in einem Satz

Auf niedrigeren Höhen bis 3.500 Meter fühlt man die Hypoxie durch eine Belastung der Kondition und schnelle Übersäuerung der Muskulatur, mit steigender Höhe fühlt man stärker den Koordinationsverlust und die Symptome der AMS.

Auf extremen Höhen über 6.000 Meter kann nur wenig Zeit verbracht werden und ohne eine gute Akklimtisation sollten diese Höhen nur für sehr kurze Zeit aufgesucht werden.